BOHRUNG DRANSFELD 1
1500 m auf der Suche nach Erdgas unter Klein Wiershausen
von Dipl.-Geol. Jens Hartwig

Den Firmen Preussag – DEA – BEB danke ich herzlich für die Überlassung von Unterlagen. In der Geschichte von Klein Wiershausen wurde von Oktober 1960 bis April 1961 ein Kapitel aufgeschlagen, das im Raum Südniedersachsen eine Besonderheit darstellt. Unter Federführung der Preußischen Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft (Preussag) wurde von den Firmen DEA, BEB und eben der Preussag eine Tiefbohrung für die Suche nach Erdgas abgeteuft. Die Bohrung DRANSFELD 1 sollte an einer durch Seismik festgestellten Hochlage den Hauptdolomit des Zechstein auf Gasführung und das Rotliegende auf Speichergesteine und deren Porenraumfüllung untersuchen. Die geplante Endteufe der Bohrung sollte bei ca. 2200 m liegen.

Die Bohrung Vorbereitung
Die Bohranlage „Preussag M4“ wurde von der vorhergehenden Bohrstelle mit der Bahn bis Dransfeld transportiert und von dort mit LKW die kurze Strecke bis zum Bohrplatz bei Klein Wiershausen gefahren. Der Transport der kompletten Anlage mit den LKW dauerte immerhin 6 Tage. Der Verbindungsweg von der B3 nach Klein Wiershausen, die „Wegelange“, wurde damals mit Kostenbeteiligung der Preussag für schwere LKW nutzbar gemacht. Der Zustand vorher wird als sehr schlecht beschrieben. Vom 13.10. bis zum 27.10.1960 wurde die fast 40 m hohe Bohranlage von auswärtigen, im Aufbau von Bohranlagen erfahrenen Firmen, an der Kreuzung der „Wegelange“ mit der „Neuen Heerstraße“ (Verbindungsweg nach Varmissen) aufgebaut. Elektrische Energie bekam die Bohrung durch eine extra angelegte 20 kV Freileitung, die Wasserversorgung wurde zunächst durch Tankwagen aus einem 4 km entferntem Bach (?) geregelt, später wurde das Wasser durch eine eigene, etwa 400 m lange Leitung dem Leitungsnetz von Klein Wiershausen entnommen. Die Wasserversorgung spielt eine erhebliche Rolle bei einer Bohrung, weil die Bohrspülung mit großen Mengen Wasser hergestellt wird.

Bohrarbeiten
Bohrbeginn für die Bohrung Dransfeld 1 war am 28. Oktober 1960. Die ersten 29 Meter der Bohrung wurden mit einem 20“ (Zoll) Meißel (50,8 cm Durchmesser) abgeteuft und in einem nächsten Arbeitsschritt auf einen Durchmesser von 23“ (58 cm) erweitert. Die erste Rohrtour mit einem Durchmesser von 18 5/8“ (47 cm), wurde bis zu einer Teufe von 25 m eingebaut. Die Bohrung hatte in den obersten 3 m Quartär durchteuft, und war dann in den Unteren Muschelkalk gestoßen. Der folgende Bohrabschnitt wurde mit 17 ½“ (44,4 cm) Meißeln bis zu einer Teufe von 260 m gebohrt. Dort befand man sich in Gesteinen des Oberen Buntsandsteins. Der Muschelkalk reichte noch bis 139 m, ab dort wurde der Obere Buntsandstein erbohrt. Die Probleme in diesem Abschnitt traten schneller als befürchtet ein, da es schon nach wenigen Bohrmetern in Teufe 33 m (Unterer Muschelkalk) zu totalen Spülungsverlusten kam. Diese treten auf, wenn im Gestein Klüfte, Risse oder sogar kleine Höhlen (Muschelkalk ist teilw. Karst-Gebiet) angebohrt werden, die durch Bildung von Filterkuchen nicht abgedichtet werden. Dort verschwindet die Spülung dann oft vollständig und in erheblichen Mengen. Bei der Bohrung Dransfeld 1 wurde das Problem durch Einpumpen von Zement zunächst behoben und es konnte weiter gebohrt werden. Bis zum Erreichen des Oberen Buntsandsteins aber kam es zu weiteren Verlusten, obwohl der Spülung Torfmull als Verstopfungsmaterial zugesetzt wurde. Der Einbau der 13 3/8“ (34 cm) Rohre bis 255 m und die Zementation bis zutage verlief planmäßig. Anschließend wurde die Bohrlochsicherung montiert, mit der das Bohrloch bei Bedarf schnell verschlossen werden kann, auch wenn sich Gestänge im Bohrloch befindet. Der nächste Bohrabschnitt wurde mit 12 1/4“ (31,1 cm) Meißeln bis zu einer Teufe von 1094 m gebohrt, dort wurde Zechstein-Salz angetroffen. Der Obere Buntsandstein reichte bis Teufe 310 m, der Mittlere Buntsandstein bis 700 m und der Untere Buntsandstein bis 1092 m. In dieser Bohrung wurde ein vollständiges Buntsandsteinprofil mit einer Mächtigkeit von 953 m erbohrt, das hier einem Ablagerungszeitraum von ca. 10 Millionen Jahren entspricht. In das Zechstein-Salz wurde 2 m hinein gebohrt. Auch dieser Abschnitt bereitete Probleme mit Verlusten. Totaler Spülungsverlust in Teufe 680 m (Volpriehausen-Sandstein) konnte erst mit dem zweiten Versuch gestoppt werden. Dazu wurde eine Mischung aus Zellglasschnitzeln, quellfähigem Ton, Glimmerschuppen und Torfmull in den Ringraum gepumpt, an der Verlustzone positioniert und mit Druck beaufschlagt. Nach einer Wartezeit von 30 Stunden war es möglich, den Bereich langsam spülend zu durchfahren und zu öffnen. Mit dieser Abdichtung waren nur noch geringe Verluste in dieser Zone zu erkennen. Weitere Probleme ergaben sich aus erheblichen Verschleiß an den Meißeln im Buntsandstein. Im Durchschnitt konnten nur 16 m/Tag gebohrt werden, da durch die abrassiven und zugleich sehr harten Sandsteine die Zähne der Meißel schnell abstumpften oder einige der Meißel um 15 mm im Durchmesser abgenommen hatte. Nach 14 bis 20 m mußten die meisten Meißel gewechselt werden, einige hielten länger (52 Bohrmeter), andere schafften nicht mal 8 m Bohrstrecke. Auch dieser Abschnitt wurde verrohrt, diesmal mit 9 5/8“ (24,4 cm) Rohren. Der letzte Bohrabschnitt wurde mit 8 5/8“ (21,9 cm) Meißeln bis 1500,7 m gebohrt. In diesem Abschnitt wurden zahlreiche Kerne gebohrt, um das Gestein auf seine Eigenschaften untersuchen zu können. Insgesamt ist die Kernstrecke in dieser Bohrung 114 m, wobei die ersten zwei Kerne im tiefen Buntsandstein genommen wurden. Auch im letzten Abschnitt kam es vereinzelt zu Verlusten, die aber keine weiteren Probleme bereiteten. Die durchteuften Gesteine in diesem Bereich waren u.a. 17 m Salz „Na2“ und fast 55 m Hauptdolomit „Ca2“ (Trägergestein für Öl oder Gas), in dem die obersten 38 m durchgehend gekernt wurden. In diesen Kernen wurden nach Behandlung mit heißem Wasser teilweise geringe Mengen Öl beobachtet. Aus diesem Grund wurden insgesamt zwei Teste im offenen Bohrloch durchgeführt. So sollte das Vorhandensein von Öl und Gasen gemessen werden. Beim Test kam es nur zum Zufluss von Salzwasser aus den Bereichen, in denen Erdgas vermutet wurde. Das Wasser zeigte nur geringste Mengen an Gas und kein Öl. Für weitere Untersuchungen der liegenden (tieferen) Gesteine wurde die Bohrung jedoch fortgesetzt. Die Basis des Zechstein wurde bei 1456 m angetroffen, der hier eine gesamte Mächtigkeit von 363 m hat. Ab 1456 m wurde in Gesteinen gebohrt, die wegen der Erkenntnissen aus den dort ebenfalls gewonnenen Kernen, deutlich älter als Zechstein einzustufen sind. Ein dichtes und sehr hartes Gestein, als Quarzit bezeichnet, bildet den größten Anteil auf den letzten 44 Bohrmetern. Untersuchungen ließen darauf schließen, das es sich um ähnliche Gesteine wie die Kulm-Grauwacken aus dem Harz handelt, somit ein Alter aus dem Karbon vorliegt. Gesteine des Rotliegend sind nicht vorhanden. Nachträgliche Untersuchungen allerdings haben ergeben, dass der Bereich von 1456 m bis 1494 m Eruptivgestein, mit vermutlich Rotliegend-Alter ist.

Ende der Bohrung
Die beiden Teste (im Februar und April) auf den oberen Teil des Hauptdolomit „Ca2“ erbrachten nur Salzwasserzufluß ohne Gas oder Öl, bei teilweise guter Porosität. Damit war die Bohrung nicht fündig und wurde mit Zement verfüllt, was etwa 3 Wochen dauerte. Ab 12.05.1961 wurde die Bohranlage abgebaut. Das Kapitel Erdgassuche bei Klein Wiershausen war beendet. An Stelle der Bohrung ist wieder landwirtschaftliche Nutzfläche und es befindet sich in einigen Metern Tiefe ein „Deckel“ auf dem Bohrloch, das somit ordnungsgemäß abgeschlossen ist. Von der Bohrung ist heute nichts mehr zu sehen.